Ressourcen 360° – Wasser und Energie neu denken
Wie Hotels Verbrauch reduzieren, Kosten kontrollieren und unabhängiger werden
Ressourcen werden zum Wirtschaftsfaktor
Wasser kommt aus der Leitung, Energie aus der Steckdose – so selbstverständlich war unser Umgang mit diesen beiden Ressourcen über Jahrzehnte. Doch diese Selbstverständlichkeit beginnt sich zu verändern. Trockenperioden und steigender Wasserbedarf rücken die Verfügbarkeit von Wasser stärker in den Mittelpunkt. Gleichzeitig zeigen geopolitische Krisen, wie rasch sich internationale Entwicklungen auf Energiepreise und Versorgungsketten auswirken können.
Für die Hotellerie hat das besondere Bedeutung. Kaum eine andere Branche benötigt gleichzeitig so viel Wärme, Warmwasser und elektrische Energie – und das rund um die Uhr. Gästezimmer, Küche, Wäscherei, Wellness, Schwimmbäder, Kühlung und Lüftung machen Hotels zu komplexen Verbrauchern. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur: Wie viel kostet Wasser oder Energie? Sondern: Wie viel davon brauche ich tatsächlich – und wie abhängig möchte ich davon sein?
Wasser: Jeder Liter zählt
Gerade die aktuelle Diskussion um die Wasserverfügbarkeit zeigt, dass auch Wasser zunehmend als wertvolle Ressource verstanden werden muss. Aktuelle Benchmarkdaten aus der Hotellerie zeigen Wasserverbräuche von rund 230 bis 340 Litern je Nächtigung. In Betrieben mit großen Wellnessanlagen, Pools oder umfangreicher Wäscherei kann der Verbrauch auch höher liegen.
Dabei lässt sich bereits mit einfachen Maßnahmen viel erreichen. Wassersparende Duschköpfe und Armaturen reduzieren Durchflussmengen, ohne dass der Gast auf Komfort verzichten muss. Zweimengenspülungen senken den Verbrauch der Toiletten. Tropfende Armaturen und undichte Spülkästen sollten konsequent kontrolliert werden. Noch wichtiger ist jedoch Transparenz. Ein zentraler Wasserzähler zeigt lediglich, wie viel ein Hotel insgesamt verbraucht. Unterzähler für Gästezimmer, Wellness, Küche, Wäscherei oder Bewässerung zeigen dagegen, wo das Wasser verbraucht wird. Auffällige Mehrverbräuche oder Leckagen werden dadurch wesentlich schneller sichtbar.
Denn auch beim Wasser gilt mein Grundsatz: Wer misst, der spart.
Wasser mehrfach nutzen
Während Verbrauchsoptimierung sofort umgesetzt werden kann, beginnt langfristiges Ressourcenmanagement bereits bei der Planung eines Gebäudes.
Ein gutes Beispiel dafür ist Grauwasser. Wasser aus Duschen und Waschbecken wird heute meist nach einmaliger Nutzung in die Kanalisation geleitet. Dabei ist es vergleichsweise gering verschmutzt und kann technisch aufbereitet werden. Anschließend steht es beispielsweise für Toilettenspülungen, Bewässerung oder Reinigungszwecke erneut zur Verfügung. Je nach Gebäude und Nutzung können moderne Systeme einen erheblichen Teil des Frischwasserbedarfs ersetzen. Besonders interessant ist diese Technologie für Hotels, weil kontinuierlich große Mengen an Duschwasser anfallen.
Doch darin steckt noch eine zweite Ressource: Wärme.
Das abfließende Duschwasser ist warm. Über Wärmetauscher und Wärmepumpen kann ein Teil dieser Energie zurückgewonnen und wieder für Warmwasser oder Niedertemperatur-Heizsysteme eingesetzt werden. Wasser- und Energiemanagement werden damit zu einem gemeinsamen Kreislauf.
Energie: Unabhängigkeit gewinnt an Wert
Ähnlich verändert sich unser Blick auf Energie. Die Energiekrise der vergangenen Jahre hat gezeigt, wie schnell sich Preise verändern können. Auch heute bleiben die internationalen Energiemärkte durch geopolitische Konflikte und globale Abhängigkeiten schwer vorhersehbar.
Für einen Hotelier bedeutet das: Die Entwicklung der Weltmärkte lässt sich nicht beeinflussen – der Verbrauch im eigenen Gebäude dagegen schon. Der erste Schritt ist auch hier nicht zwangsläufig eine große Investition. Unterzähler und digitale Energie Monitoringsysteme machen sichtbar, wann und wo Strom und Wärme benötigt werden. Küche, Wellness, Lüftung, Kühlung, Wärmepumpe oder einzelne Gebäudeteile lassen sich getrennt erfassen. Dadurch werden ungewöhnliche Verbrauchsspitzen sichtbar. Laufzeiten können optimiert, Temperaturen angepasst und technische Fehlfunktionen früh erkannt werden. Ein hydraulischer Abgleich, bedarfsgerechte Heizungsregelung oder die automatische Absenkung nicht belegter Zimmer können zusätzliche Einsparungen ermöglichen.
Die günstigste Kilowattstunde ist schließlich jene, die gar nicht erst verbraucht wird.
Vom Sparen zum eigenen Energiesystem
Langfristig geht es jedoch um mehr als Verbrauchsreduzierung. Zukunftsfähige Hotels werden Energie zunehmend selbst erzeugen, speichern und intelligent verteilen. Photovoltaik spielt dabei eine zentrale Rolle. Hotels verfügen häufig über einen hohen Stromverbrauch genau zu jenen Tageszeiten, in denen PV-Anlagen Energie produzieren. Wird dieser Strom direkt für Küche, Lüftung, Kühlung oder Wärmepumpen genutzt, steigt der wirtschaftlich interessante Eigenverbrauch.
Wärmepumpen wiederum gewinnen Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Wasser und machen sie für Heizung und Warmwasser nutzbar. Besonders effizient arbeiten sie mit niedrigen Systemtemperaturen und gut abgestimmten Heiz- und Kühlsystemen.
Nicht jedes bestehende Hotel lässt sich jedoch von heute auf morgen vollständig auf ein einziges System umstellen. Gerade bei Sanierungen können deshalb hybride Heizsysteme sinnvoll sein. Wärmepumpe, Biomasse, bestehende Wärmeerzeuger, Photovoltaik und Speicher werden so kombiniert, dass jeweils die wirtschaftlich und energetisch sinnvollste Energiequelle eingesetzt wird.
Entscheidend ist nicht die einzelne Technologie. Entscheidend ist das Zusammenspiel.
Das Hotel als Ressourcenmanager
Genau darin liegt für mich der eigentliche Wandel. Ein Hotel der Zukunft konsumiert Wasser und Energie nicht einfach. Es misst, steuert, erzeugt, speichert, gewinnt zurück und nutzt Ressourcen teilweise mehrfach.
Dafür muss nicht jeder Betrieb sofort eine große Sanierung durchführen. Der Einstieg kann heute beginnen: Verbräuche erfassen, Kennzahlen vergleichen, Leckagen beseitigen, Anlagen richtig einstellen und unnötige Laufzeiten reduzieren.
Bei Neubauten und größeren Umbauten sollte man dagegen einen Schritt weiterdenken: getrennte Leitungsnetze für Grauwasser, Wärmerückgewinnung, Photovoltaik, Wärmepumpen, Speicher und intelligente Gebäudeautomation sollten nicht nachträglich ergänzt, sondern von Anfang an als Gesamtsystem geplant werden.
Ressourcen 360° bedeutet deshalb: erst verstehen, dann reduzieren – und schließlich möglichst viel im eigenen Kreislauf halten.
Wer Wasser und Energie so betrachtet, spart nicht nur Betriebskosten. Er reduziert gleichzeitig seine Abhängigkeit von Preisentwicklungen und schafft ein Hotelgebäude, das auch unter veränderten Rahmenbedingungen langfristig wirtschaftlich betrieben werden kann.
Michael Pichler, Leiter des Bereiches Baumanagement der HGV-Unternehmensberatung