Wo die Natur den Takt vorgibt – das Naturhotel RUNA
Auf 1.832 Metern Höhe, mitten auf der Rodenecker-Lüsner Alm, liegt ein Haus, das sich der Ruhe und dem Einklang mit der Natur verschrieben hat. Um diese besondere Atmosphäre und die Ursprünglichkeit der Alm zu bewahren, ist die Zufahrt zum Naturhotel RUNA bewusst geregelt. Im Sommer ist die Anfahrt mit dem Auto nur zu bestimmten Zeiten möglich, im Winter erreichen unsere Hausgäste das Hotel nicht mit dem eigenen Fahrzeug, sondern werden zu festgelegten Zeiten mit unserem Raupenfahrzeug abgeholt oder können den Weg zu Fuß zurücklegen. So bleibt die Alm ruhig, der Verkehr reduziert und die Natur kann ihren besonderen Charakter bewahren.
Der bewusste Umgang mit der Natur wurde im Mai dieses Jahres auch offiziell bestätigt: Das Naturhotel RUNA hat die international anerkannte GSTC-Zertifizierung (Global Sustainable Tourism Council – Weltrat für nachhaltigen Tourismus) erfolgreich bestanden. Begleitet wurde der Betrieb dabei von der HGV-Unternehmensberatung, die gemeinsam mit dem Terra Institute in Brixen Hotel- und Gastbetriebe auf ihrem Weg zur Nachhaltigkeitszertifizierung unterstützt.
Woher der Name Runa stammt
Der Name RUNA geht auf die Bezeichnung für abgebrochene, verfaulte Baumstämme im Moor zurück. Die genaue Geschichte hinter dem Namen ist nicht überliefert – naheliegend ist jedoch der Zusammenhang mit dem geschützten Moor direkt neben dem Haus. Seit 1952 befindet sich die Alm im Besitz der Familie Widmann, die mit großer Achtsamkeit dafür sorgt, dass dieser wertvolle Lebensraum erhalten bleibt und seine Ursprünglichkeit bewahrt wird. Schon 1930 wurde der Standort erstmals dokumentiert. Seither wird hier oben Almgeschichte geschrieben – verbunden mit der Natur, der Tradition und einem achtsamen Umgang mit der einzigartigen Alm-Landschaft.
Aus dem Berggasthof wurde ein Naturhotel
2019 wurde aus dem ehemaligen Berggasthof Runa das Naturhotel RUNA. Beim Umbau ist Inhaber Alexander Widmann besonders behutsam mit der Natur umgegangen: Damit während Abriss und Wiederaufbau möglichst wenig Baustellenverkehr auf dem Almweg entstand, blieb die alte Küche stehen, um die Arbeiter direkt vor Ort zu verpflegen. Die beim Abriss gewonnenen Steine wurden für neue Steinmauern wiederverwendet, und ein großer Teil des Holzes für Zimmer und Stuben stammt aus dem eigenen Wald hinter dem Haus.
Nachhaltigkeit als gelebte Gewohnheit, nicht als Ziel
Schon lange bevor die Zertifizierung zum Thema wurde, hat die Familie Widmann auf ihre Weise nachhaltig gehandelt. Die Zimmer werden mit Mikro-Trockendampf gereinigt, um auf chemische Reinigungsmittel zu verzichten. Auf Plastik wird bewusst verzichtet: Die Zimmerkarten bestehen aus Holz, ebenso die kleinen Holzwürfel, auf denen die Zimmerinformationen stehen. Weil Alexander den anfallenden Müll persönlich ins Tal fährt, weiß er genau, wie viel wovon anfällt – ein guter Grund, in der Küche jede Verschwendung zu vermeiden.
In der Küche kocht auch heute noch Alexanders Mutter mit und sorgt dafür, dass traditionelle Gerichte erhalten bleiben. Das Küchenteam setzt auf Saisonalität und Regionalität und richtet die Speisekarte nach dem, was die jeweilige Jahreszeit in der Umgebung hergibt.
Ein kleines Team mit großem Engagement
Das Naturhotel RUNA ist ein kleiner Betrieb mit wenigen Mitarbeitenden, die sich dafür umso stärker für Nachhaltigkeit einsetzen. Alexander Widmann ist zudem Sprecher der Alm-Interessentschaft im Tourismusverein und damit Bindeglied zwischen Bauern, Betrieben, Forstbehörde und öffentlicher Verwaltung – mit dem Ziel, die Besonderheit der Alm zu bewahren. An seiner Seite steht Elvira an der Rezeption, die viele Abläufe im Blick behält und immer wieder Impulse für nachhaltige Entscheidungen gibt. Gemeinsam mit dem gesamten RUNA-Team wird dieser bewusste Umgang mit der Natur jeden Tag gelebt. Jeder trägt seinen Teil dazu bei – von der Küche über die Organisation bis hin zum täglichen Miteinander mit unseren Hausgästen.
Eine Zertifizierung als Bestätigung – und ein Ansporn für morgen
Die GSTC-Zertifizierung ist für das Naturhotel RUNA deshalb keine neue Ausrichtung, sondern die Bestätigung eines Weges, den die Familie Widmann schon lange geht. Gleichzeitig freut man sich im RUNA über den Erhalt des Südtiroler Nachhaltigkeitslabels Level 3.
Gerade für einen kleinen Betrieb wie das Naturhotel RUNA ist eine solche Zertifizierung eine besondere Herausforderung: Die Dokumentation und die Erfüllung der Kriterien verlangen Zeit und Ausdauer, die in einem Haus mit wenigen Mitarbeitenden erst einmal aufgebracht werden müssen. Das Beispiel des Runa zeigt aber: Wer Nachhaltigkeit schon lange aus eigenem Antrieb lebt, schafft diesen Schritt auch innerhalb weniger Monate.
Für Alexander Widmann endet die Reise damit nicht. Er hat weiterhin viele Ideen, die er in den kommenden Jahren umsetzen möchte. Allen voran treibt ihn der Wunsch an, den Fahrzeugverkehr auf der Alm noch weiter einzuschränken, um seinen Gästen ein noch intensiveres Naturerlebnis zu bieten.