Grün reden kann jeder. Wer lebt es wirklich?
Make friends – Freunde sind im Singlehotel AVIVA garantiert, und das auch noch nachhaltig!
Freunde finden, Werte leben, Zukunft gestalten: Im Interview verrät Christian Grünbart, Miteigentümer des europaweit einzigartigen Singlehotels AVIVA im oberösterreichischen Mühlviertel, warum Nachhaltigkeit weit mehr ist als ein Schlagwort. Was bedeutet Corporate Responsibility für Unternehmen wirklich? Wie schafft man es, Mitarbeitende durch grüne Initiativen langfristig zu binden? Und warum macht gerade soziales und ökologisches Handeln auch ökonomisch Sinn? Spannende Einblicke in ein Hotelkonzept, das beweist: Verantwortung zahlt sich für alle aus.
Herr Grünbart, Sie haben Ihr Hotel AVIVA nicht nur als europaweit einzigartiges Singlehotel etabliert, sondern haben ihm auch konsequent eine nachhaltige Ausrichtung gegeben. Weshalb?
Für uns sind die drei Säulen der Nachhaltigkeit wichtig – die soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit. Alle drei Bereiche müssen zusammenspielen und fließen in unser Unternehmensziel nach Verantwortlichkeit der Umwelt, aber auch dem Menschen gegenüber ein. Es sind auch vielfach unsere Gäste, die Wert auf Nachhaltigkeit legen und mit gutem Gewissen ihren Urlaub verbringen möchten. Und die Auszeichnung mit dem Österreichischen Umweltzeichen und dem EU-Ecolabel zeigen uns, dass wir richtig liegen.
Welche konkreten Initiativen haben Sie gesetzt?
Wir haben eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Hoteldach und auf der Parkplatzüberdachung mit 503kwp angebracht und investieren noch in die Energie-Speichertechnik. Hier sehe ich ein großes Potential für die Zukunft. Auch die Verwendung von lokalen und regionalen Produkten ist uns wichtig. So haben rund 80 Prozent der Speisen und Getränke eine kürzere
Anreise als 50 Kilometer. Die hoteleigene Wäscherei wird von einer Regenwasserzisterne mit 32.000 Liter gespeist und mit Sonnenstrom betrieben. Die greenOption, die Möglichkeit für Gäste, mit dem Wäschewechsel auszusetzen, hat die Wäscheberge massiv reduziert. Besonderes Augenmerk legen wir aber auf die soziale Nachhaltigkeit, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sich wertgeschätzt und respektiert fühlen.
Gab es hierzu ein besonderes Aha-Erlebnis?
Hier muss ich eine kleine Geschichte erzählen: Bei meinem Weg über den Parkplatz habe ich die tollen Autos gesehen, mit denen unsere Gäste anreisen. Beim Vergleich mit den Mitarbeiterautos dachte ich mir, auch unsere Mitarbeiter sollten mit schönen Autos zur Arbeit kommen. Und so war die Idee geboren, dass die Mitarbeitenden kostengünstig Elektroautos der Marke Mercedes nutzen können. 19 Mitarbeitende nützen dieses Angebot, und das ist natürlich eine tolle Mitarbeiterbindung. Was ich damit sagen will: Uns ist wichtig, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen und stolz sind, im AVIVA zu arbeiten. Hier investieren wir viel, da die Mitarbeitenden das Bindeglied zum Gast sind und unsere Werte vermitteln. Denn geht es dem Mitarbeitenden gut, ist auch der Gast happy. Eine Win-Win-Situation für alle.
Haben Sie erlebt, dass sich Bewerber gerade wegen Ihres Engagements für die Umwelt für Ihr Hotel entschieden haben?
Ob sie nur wegen unserer nachhaltigen Ausrichtung kommen, weiß ich nicht, dass es einen positiven Einfluss hat, aber auf alle Fälle. Vor allem jüngere Bewerberinnen und Bewerber legen Wert auf das Thema Nachhaltigkeit. Mitarbeitende haben uns auch erzählt, dass, wenn sie in Gesprächen sagen, dass sie im AVIVA arbeiten, dies sehr positiv ankommt. Ich denke also schon, dass unser Hotel einen guten Ruf als Arbeitgeber hat, und die vielen Maßnahmen tragen dazu bei.
Gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: Diese Investition in Nachhaltigkeit hat sich gelohnt?
Es gab keinen konkreten Moment, da es ein laufender Prozess war. Allerdings war von Anfang an klar, dass wir diesen Gedanken einbringen. Es ist für uns als Unternehmer einfach ein sehr positives Gefühl ist, das eigene Unternehmen nachhaltig ausgerichtet zu haben und dennoch betriebswirtschaftlich erfolgreich zu sein.
In welchem Bereich war bzw. ist die Umsetzung am schwierigsten?
Ich denke, im Bereich Mitarbeiter. Da es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind, die am Gast arbeiten, sollten sie diesen Nachhaltigkeitsgedanken verinnerlichen und leben. Als Erste sehen sie, wenn sie in einen Raum kommen und die Klimaanlage ist voll aufgedreht, dass das nicht geht, oder wenn Getränke in Dosen angeliefert werden, dass dies kein nachhaltiges Angebot ist. Aber das ist ein Prozess, der dauert. Hier braucht man sicherlich den längsten Atem. Ökologische Umstellungen können oft schneller umgesetzt werden. Die gelebte Nachhaltigkeit braucht am längsten.
Fragen Sie Ihre Mitarbeitenden und Gäste nach ihren Ideen und Verbesserungsvorschlägen?
Auf alle Fälle. Als wir uns dafür entschieden haben, auf den Mietwäscheservice zu verzichten, haben wir vorab über drei Monate unsere Gäste befragt, ob sie den täglichen Wäschewechsel aussetzen würden. 73 Prozent der Gäste haben das mitgetragen und tun dies auch heute noch. Wir fragen über unsere App laufend das Feedback unserer Gäste ab und bitten sie auch um neue Ideen. Auch die Mitarbeiter sind hier gefragt, Engagement ist uns sehr wichtig
Wo wünschen Sie sich für die Zukunft mehr Veränderung im Bereich Nachhaltigkeit?
Aufholbedarf ist im Bereich Mobilität, und hier vor allem bei der An- und Abreise. Wir bieten unseren Gästen die Möglichkeit an, den hoteleigenen Shuttle-Bus zu nutzen, der die Gäste z. B. von Linz und Passau zu uns ins Hotel bringt. Weiters haben wir eine Online-Mitfahrbörse auf unserer Internetseite. Auf dieser Plattform können sich die Gäste zu Fahrgemeinschaften zusammenfinden. Aber hier sind die Destination und die öffentliche Hand gefordert, mehr zu tun und Projekte für eine nachhaltige Anreise zu fördern. Auch die Zusammenlegung von Küchen kann ein nachhaltigeres Wirtschaften ermöglichen, hier müssen wir als Unternehmer offen sein, uns umsehen, uns mit anderen Betrieben absprechen und Konzepte erarbeiten. Die Zeit ist reif für neue Prozesse. Nur weil etwas jahrzehntelang auf eine Art gemacht wurde, heißt ja nicht, dass es auch für die Zukunft erfolgreich sein muss.
Sie sind ein Singlehotel. Wie kann dies funktionieren?
Das Wichtigste ist die klare Kommunikation des Konzeptes und dessen konsequente Umsetzung. Man kann sagen, dass pro Woche mindestens eine Anfrage kommt, ob man nicht eine Ausnahme machen könnte und als Paar oder mit Kindern anreisen lässt. Hier braucht es Mut zur Konsequenz. Das erwarten auch unsere Gäste. In unserem Hotel treffen Gleichgesinnte aufeinander und schätzen dies. Dafür sind sie auch bereit, weite Anreisen in Kauf zu nehmen.