Wenn Zukunft im Hotelalltag beginnt

FutureHotel: Aufschlussreiche Studienreise nach China mit Fraunhofer IAO — Teil 1

Robotik, Digitalisierung, Architektur und Künst-liche Intelligenz. Um diese Themen drehte sich eine Studienreise nach China, an welcher auch die Unit Innovation des HGV teilnehmen konnte.

Es gibt Reisen, die den eigenen Blick nachhaltig verändern. China war für mich ei-ne solche Reise – nicht, weil dort alles futuristisch glänzt, sondern weil Zukunft in vielen Bereichen bereits gelebter Alltag ist.

Als Teil des Fraunhofer-Forschungsnetzwerks FutureHotel hatte der HGV die Möglichkeit, gemeinsam mit Hoteliers und Innovatoren aus dem DACH-Raum tief in die chinesische Hotellerie einzutauchen. Für den HGV war diese Reise ein wichtiger Impuls, um Innovations-fragen noch konkreter und praxisnäher zu denken.

China empfängt einen mit Wucht: Megastädte ohne sichtbares Ende, Hochgeschwindigkeitszüge, die in wenigen Stunden Dis-tanzen überwinden, für die man in Europa einen ganzen Reisetag einplant, und eine technologische Selbst-verständlichkeit, die überrascht. Digitalisierung ist hier kein Projekt, sondern Infrastruktur.

Besonders eindrücklich zeigte sich das im Umgang mit Robotik. In vielen chinesischen Hotels übernehmen Service- und Lieferroboter längst Aufgaben, die als „dangerous“, „dirty“ oder „dull“ gelten. Die Roboter des Unternehmens Yunji Technology sind heute bereits in zehntausenden Betrieben im Einsatz. Was dabei auffällt: Die Techno-logie wirkt nicht kalt oder unpersönlich. Im Gegenteil, in Hotels wie den Ji Hotels oder im Traders Hotel am Flughafen Shanghai Hongqiao spürt man, wie Automatisierung Mitarbeitende entlastet und Raum für echte Gastlichkeit schafft.

Noch deutlicher wird die-se Haltung bei der digitalen Guest Journey. Im Flyzoo Future Hotel von Alibaba in Hangzhou verschmelzen Check-in, Zutritt, Raumsteuerung und Service zu einem reibungslosen Gesamterlebnis. Gesichtserkennung, Sprachsteuerung und automatisierte Abläufe wirken nicht spektakulär, sondern bequem. Genau das regt zum Nachdenken an: Während in Europa Digitalisierung oft mit Aufwand verbunden wird, wird sie hier als Erleichterung erlebt.

Konzepte und soziale Räume

Was die chinesische Hotellerie besonders spannend macht, ist ihre konzeptionelle Vielfalt. Hotels werden hier nicht nur als funktionale Beherbergungsbetriebe verstanden, sondern als Erlebnisräume, Testfelder und gesellschaftliche Orte.

Ein eindrucksvolles Bei-spiel dafür ist das InterContinental Shanghai Wonder-land. Das Hotel liegt 88 Meter unter der Erde in einem still-gelegten Steinbruch und inszeniert Architektur als emotionales Erlebnis. Licht- und Drohnenshows verwandeln abends die Felswand in eine Bühne. Dieses Haus wurde nicht gebaut, um Prozesse zu optimieren, sondern um Staunen zu erzeugen – und genau darin liegt seine Stärke.

Einen völlig anderen Zugang verfolgt das Hotel ICON in Hongkong, das von der Hong Kong Polytechnic University betrieben wird. Es ist weltweit das erste vollständig integrierte Teaching- und Research-Hotel. Forschung, Lehre und operativer Betrieb greifen hier ineinander. Neue Service- und Raumkonzepte werden im laufenden Betrieb entwickelt, getestet und wissenschaftlich begleitet. Innovation ist hier kein Experiment, sondern Teil des Systems.

Am stärksten in den urbanen Raum hinein wirkt das Eaton Hong Kong. Das Hotel versteht sich als Plattform für Kreative, Aktivistinnen und Aktivisten und junge Communities. Co-Working-Spaces, Talks, Pop-ups und kulturelle Formate sind nicht Zusatzangebote, sondern Kern des Konzepts. Technologie spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sind Haltung, Offenheit und Gemeinschaft.

 

Autorin: Manuela Pattis, Bereich Innovation im HGV

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