Wer formt hier wen?
JOIN future hospitality: Spotlight auf die Jugend
Schule und Betriebe haben ein Ziel: fundierte Ausbildung, motivierte Jugendliche. Deshalb kennen sie die Frage: Was heißt erfolgreiche Hospitality in Zukunft?
Wo sind die Unternehmen in Zugzwang? Und wie bleiben die Schulen der Hospitality-Branche am Ball? Der HGV arbeitet an den Antworten und holt dafür Schulen und Betriebe an einen Tisch. Was das bringt? Ein Interview mit Judith Rainer, HGV-Vizepräsidentin und Vorsitzende der Arbeitsgruppe JOIN*.
In den vergangenen Jahren haben Hospitality-Betriebe die Zusammenarbeit mit den gastgewerblichen Schulen intensiviert. Was sind für Sie die wichtigsten Erkenntnisse dieser Entwicklung?
Judith Rainer: Allein die Tatsache, dass Schulen und Betriebe im regelmäßigen Austausch sind, ist wertvoll. Beide lernen sich so besser kennen und schärfen das Verständnis füreinander. Man kann nun die jeweiligen Bedürfnisse leichter erkennen, ansprechen und sich gegenseitig stützen. Ein Beispiel: Die Betriebe navigieren in einem rasant sich wandelnden Umfeld, immer wieder gibt es neue Erfordernisse. Diesen Input können wir praktisch „live“ an die Schulen weitergeben, als Kompass bei der Gestaltung der Lehrpläne zu Themen wie Digitalisierung oder Nachhaltigkeit. Gleichzeitig sehen wir, wie viel und wie gut an den berufsbildenden Schulen bereits gearbeitet wird. Man will unseren Jugendlichen eine fundierte Ausbildung bieten. Noch einen Vorteil möchte ich ansprechen: Gemeinsam können wir die Politik besser einbeziehen, wir sprechen dort Themen direkt an.
Wie profitieren Sie als Unternehmerin von der Kooperation zwischen Schulen und Betrieben?
Tatsächlich geht es in unseren Betrieben darum, den Jugendlichen und jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die gebührende Wertschätzung entgegenzubringen. Die Schulen sind näher dran an den jungen Menschen und können dies gut vermitteln. Es geht um Fairness, um Verständnis, um Unterstützung, um Förderung. Aber junge Menschen möchten auch geführt werden. Dies können wir als Unternehmerinnen und Unternehmer gewährleisten. Wir müssen die Jungen fordern. Sie sollen lernen, dass Leistung, Disziplin und auch Opferbereitschaft in einem Unternehmen wichtig sind, um es – gemeinsam – zum Erfolg zu führen.
Wenn Sie an die Zukunft denken: Welche Schwerpunkte sollten gesetzt werden?
Essenziell ist aus meiner Sicht die Vorbereitung auf den digitalen Wandel mit KI. Dann der Umweltschutz, auch eine Herausforderung, aber zugleich eine Chance, der wir uns stellen müssen. Es gilt das Sprichwort: „Nicht der Große frisst den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen“. Andererseits gibt es in der Hospitality unveränderliche Werte, nennen wir sie gerne und bewusst USPs (Unique Selling Proposition), wie Freundlichkeit, Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Service, Aufmerksamkeit. In diesen menschlichen Fähigkeiten wird immer unser besonderes Berufspotenzial und ergo unser Erfolgsgeheimnis liegen.
Natürlich spielen auch allgemeinere Themen wie die Bedürfnisse der Schulen eine große Rolle. Wir wollen wissen, wo der Schuh drückt, was gut läuft und wo es Luft nach oben gibt. Auch die Schülerzahlen kommen regelmäßig auf den Tisch: Generell kann man dazu sagen, dass die Zahlen der Vollzeitschüler:innen und der Lehrlinge in den letzten Jahren ungefähr gleichgeblieben sind, wofür der demografische Wandel und die wachsende Konkurrenz der anderen Schulen festzumachen sind. Man kann mit diesen Zahlen jedoch sehr zufrieden sein, was vor allem an der attraktiven Ausbildung liegt – welche es gilt weiterhin attraktiv und vor allem praxisorientiert zu gestalten.
*Die Arbeitsgruppe JOIN besteht aus Hoteliers und Gastwirt:innen und HGV-Mitarbeiterinnen. Gemeinsam arbeiten wir an JOIN future hospitality, der Arbeitgebermarke für Südtirols Hospitality, um Mitarbeiter:innen von der Hospitality Branche zu begeistern und zu gewinnen. Gleichzeitig liegt unser Fokus auch auf der Unterstützung der HGV-Mitgliedsbetriebe, die sich zu attraktiven Arbeitgebern (weiter)entwickeln.